28. April 2018

Die drei wichtigsten Merkmale einer Anekdote sind: 1) die Reduktion auf das Wesentliche, 2) die Pointe und 3) die scharfe Charakterisierung einer oder auch mehrerer Persönlichkeiten.


28. April 2018 a

Eine hohe Persönlichkeit lud in der wöchentlich erscheinenden Schulpost der RSS Aargau einst Eltern an einen Oberstufenelternabend ein. Sie schrieb, dass die Eltern im zweiten Teil des Elternabends ‘sich mit den Klassenbetreuern des kommenden Schuljahres treffen können’.
Als der Elternabend kam, kam da dann auch der zweite Teil dieses Elternabends, jedoch: wer nicht kam, das waren die ‘versprochenen’ neuen Klassenbetreuer. Sie kamen nicht. Auf aber kam Ärger.
Als Auguste Gardien bei dieser hohen Persönlichkeit nachfragte, was da falsch gelaufen war, sagte diese: “Nichts. Das Wort ‘können’ im Satz ‘sich mit den Klassenbetreuern … treffen können’ ist ein Konjunktiv Präsens.”
Das sollte heissen, dass die Eltern nur dann die neuen Klassenbetreuer treffen können, wenn diese dann auch kommen …

Diese Geschichte ist auf das Wesentlichste reduziert, hat eine Pointe und charakterisiert scharf eine Persönlichkeit, wodurch sie per Definitionem eine gelungene Anekdote genannt werden darf. Weil sie so kurz war, gleich noch eine weitere:

28. April. 2018 b

Die RSS Aargau wirbt seit Jahren mit einem INFOABEND-Flyer, mit dem auf einen Schul-Anlass aufmerksam gemacht wird, bei dem die Pädagogik Rudolf Steiners, die pädagogischen Ansätze an Steinerschulen anfänglich an interessierte potentielle neue Eltern vermittelt werden sollen.
Man sucht aber auf dem Flyer vergebens nach etwas, das auf diese Pädagogik auch nur ansatzweise hindeuten würde.
Das kann erstaunen. Man kann auf die Idee kommen, sich und Persönlichkeiten ‘der Schule’ zu fragen, weshalb das so sei. Tut man das genügend oft, genügend beharrlich, kann – ‘kann’ ist Konjunktiv Präsens stets – , dann kann man schliesslich vielleicht etwa die Antwort bekommen, die Auguste Gardien im Frühling 2017 erhalten hat.
Eine sehr hohe Persönlichkeit, die der Schule – ihrem Leitbild (?) und ihrem geistigen Vater (?) – in Liebe und Demut stets zu dienen trachtet, hat ihm erklärt, die Werbe-Verantwortlichen würden bewusst darauf verzichten, irgend etwas von Steiners Pädagogik, von Steiner selber auf den Flyer zu schreiben, damit potentielle neue Eltern nicht Angst bekämen, nicht abgestossen würden, falls da etwas (nach Geist oder Spirituellem Riechendes) von Steiner wohl geschrieben stünde auf dem Flyer der ……….. Steinerschule.
So steht auf diesem Flyer als pädagogische Aussage ‘nur’:

Kinder brauchen Räume für ihre Entwicklung. Sie brauchen Zeit zum Üben und zur individuellen Entfaltung. Sie brauchen Persönlichkeiten, an denen sie sich orientieren können.”

Man kann sich fragen, ob sich das nicht jede Privatschule und sogar (partiell) die Staatsschule auf die Fahne schreiben könnte.
Eine hohe Persönlichkeit aus einer der RSS Aargau ‘übergeordneten’ Instanz meinte zu diesem Flyer im Frühling 2017:

Der Flyer hat keine Identität!

Auguste Gardien, der dieses arge Statement, dieses happige Urteil live mitbekommen hat, war zuerst auch dieser Meinung, bis er erkannt hat, dass der Unterschied zu allen andern Privatschulen, die diese Sätze auch verwenden könnten, eben das unterschiedliche oder unterschiedlich tiefe Verständnis des Wortes ‘Persönlichkeit’ ist, das man nur als Anthroposoph/Philosoph so verstehen kann, wie es auf dieser Website beschrieben ist. Ein weiterer Unterschied ist, dass man ebenfalls (fast) nur mit Rudolf Steiners Art von Selbsterziehung/Meditation sich in so eine Persönlichkeit mit Vorbildcharakter verwandeln, hinein entwickeln kann, an der sich Kinder dann getrost orientieren können. (Remember: ‘können’ ist ein Konjunktiv Präsens)
(Siehe Rubrik ‘ Persönlichkeitsbildung, Selbsterziehung, Meditation)

Auguste Gardien findet diesen Satz ‘Kinder brauchen Persönlichkeiten, an denen sie sich orientieren können’, heute das Non-Plus-Ultra, weil er tatsächlich Steiners tiefstes pädagogisches Interesse ausformuliert und dies zudem noch ohne, dass sein Name erscheint oder auch nur ein Gedanke von ihm, ohne also, dass jemand Angst zu bekommen braucht vor der Wahrheit.

Lehrkräfte, die an sich arbeiten, die sich ordentlich gut selbst erziehen, auch, indem sie ernsthaft meditieren, helfen den Kindern, an ihrer Hand sich selbst zu erziehen.

Ohne diesen Satz, von hohen Persönlichkeiten auf den Flyer gesetzt, gäbe es diese Gratulations-Website nicht. Danke.