20. Mai 2018

(Pfingsten)

“Aus dem Geiste heraus pädagogisch schaffen. Gesinnung, Seelenverfassung muss das werden.” (Rudolf Steiner, 21. September 1920)

Jede Ordnung hat ein Ordnendes in sich, das diese Ordnung bewirkt hat. Jedes Gefüge hat ein Fügendes in sich, das die Fügung gefügt hat. Jedes Kunstwerk entspringt einer künstlerisch-ordnenden Kraft, sei es nun ein Naturkunstwerk wie eine Sonnenblume oder ein Romanesco, sei es ein Bild von Cézanne oder ein Buch von Ingeborg Bachmann, die das alle überzeugend belegen.

Jedes irdische Ding hat seinen Quellgrund, seinen Himmel oder Geist in sich, aus dem es entsprungen ist.

Die Ordnung, ein Geordnetes, die Fügung, ein Gefüge, das (Natur)Kunstwerk, das Ding ist sichtbar vor uns. Das Ordnende, das Fügende, schöpferisch Wirksame sehen wir nicht. Wir nennen es eben den Himmel, den Geist, den Quellgrund einer Sache.

Dieser Himmel, das Ordnende, Fügende, schöpferisch Auswirksame hat eine weit grössere Potenz als bloss die, EIN Ding in einer einmaligen Form einmal zu schaffen. Der gleiche Himmel, der ein Werk aus sich herauswachsen lassen kann, kann eine andere, diesem ähnliche Gestalt(ung) hervorbringen aus sich.

Ist eine schöne Ordnung, ein gut funktionierendes System – ein sinnvoll gegliedertes Ganzesam Verfallen, am in Unordnung geraten, haben wir ein Problem, weil uns Unordnung nicht behagt, weil wir uns an ihr ‘von Natur aus’ stören.

Der Himmel in dem in Unordnung geratenen einstmals schönen System, Gefüge ist aber selbst nicht in Unordnung geraten, weil er das gar nicht kann. Für ihn heisst seine in Unordnung gefallene Ausgeburt von einst, dass etwas Neues, weiter Führendes geschaffen werden will aus dem Himmel heraus, oder aus dem Quellgrund heraus, oder eben aus dem Geiste heraus. Dazu aber braucht der Himmel Menschen, Künstler im Sinne u.a. Rudolf Steiners, die eben aus dem Geiste heraus schaffen wollen.

Wir wissen, was das heisst, wie das geht. – Wer den dreistufigen Meditationsweg geht, wie er in den Beiträgen dieser Rubrik vom 28., 29. April, 10. Mai 2018 beschrieben wurde, wird früher oder auch etwas später, je nach dem, wie konsequent er diesen Weg geht, dahin gelangen, dass er stets vom Himmel, aus dem Quellgrund der Dinge, aus dem Geiste heraus begnadet, begabt, begünstigt wird mit inspirierenden, lebendigen, krafterfüllten Ideen für das, was er dann tun soll im Namen des Himmels = im Namen der Sache, um die es geht. Diese Ideen sind einerseits lichtvolle – sie sagen verständlich, nachvollziehbar, was wie zu tun ist – und andererseits voller Kraft:

die Ideen geben Kraft, Mut, das zu tun, was getan werden soll aus dem Geiste heraus, weil sowohl das Licht wie die Kraft aus dem Geiste heraus als pflingstliche Gabe gespendet ist.

Immer, wenn etwas aus dem Geiste heraus gespendet, motiviert, aktiviert, begünstigt, inspiriert, initiiert, entflammt, begeiste(r)t wird oder ist, ist das Pfingsten im Leben des Alltags, auch und vor allem unterm Jahr, jeden Tag möglich also. Der dritte Schritt jeder zeit(geist)gemässen Meditation ist immer ein Pfingst-EREIGNIS.

Vor diesem dritten Schritt ist der zweite Schritt, derjenige der eigentlichen Meditation, wo man irgend ein in sich Geordnetes, Gefügtes, das aber auch in Unordnung gefallen sein kann, einen Satz, ein Problem, ein schlimmes Gefühl, eine Angst, einen Zweifel, eine Wut, eine Eifersucht … so 8 Minuten lang nur liebt, wobei man – das ist ‘match’-entscheidend – sein geglaubtes Zukunftspotential, also z.B. das Zukunftspotential einer Wut, das nur gut ist, wobei man dieses Potential, diese Chance, dieses Glück aber noch nicht kennt, von dem man aber überzeugt ist, dass es vorhanden und sich zeigen wird, wobei man dieses Zukunftspotential mitliebt eben. Durch diese Liebe fährt man in den Himmel der Gefüge, erfährt man den Himmel der Dinge, erlebt man im Leben eine Himmelfahrt konkret (unbewusst). Aus diesem Himmel heraus z.B. einer Wut kann sich so ihr nur gutes Zukunftspotential dann zeigen:

Die wild wogende, tobende, unruhige Wut schwindet immer meer und EINTRITT als Pfingst-EREIGNIS z.B. ein Gefühl der Ruhe, aus der sich besonnen schaffen lässt, umsetzen lässt, was einem an neuen (!) inspirierenden Gedanken aus dem pfingstlichen Geiste heraus DANN ERST kommt. – Jedoch: Auch die Ruhe selbst ist aus dem Geiste heraus gekommen, ist himmlischer Natur.

Im Beitrag unter ‘Persönlichkeitsbildung, Selbsterziehung, Meditation’ von Pfingstmontag wird so eine auf jeden Fall ‘gewinnbringende’ Meditation eines ‘schwierigen’, ‘bösen’ Gefühls exemplarisch durchgespielt. Zuerst ist man gefangen in ihm, danach schafft man aus ihm, resp. seinem freigesetzten Potential in Freiheit Gutes um Gutes.

“Aus dem Geiste heraus pädagogisch schaffen. Gesinnung, Seelenverfassung muss das werden.” (Rudolf Steiner) hiess einst der Titel einer geplanten Matinée an einem Frühlingsfest der RSS Aargau. Diese Matinée wurde von der Schulleitung verboten, konnte, durfte nicht gehalten werden. – Drei der vier damaligen Schuleiter sind noch im Amt heute.