13. Mai 2018

Wesentlich für eine Persönlichkeitsbildung oder –entwicklung, für eine Selbsterziehung, für eine Erziehung zu einem verantwortungsbewussten Selbst, zu einer souveränen Persönlichkeit ist diese Vorstellung, die man anerkennen, bejahen, zu der man (= Mensch) sich bekennen kann:

Mein Schicksal weiss, was für mich gut ist, welches PROBLEM für mich gerade DIE Herausforderung darstellt, damit ich mich weiter entwickeln kann in Richtung eines in einer Gemeinschaft tauglichen, verantwortungsbewussten, tüchtigen Menschen, einer Persönlichkeit eben. Darum schickt mir mein Schicksal genau ein bestimmtes und nicht ein anderes PROBLEM als eine Art (noch nicht erkanntes) Sal=Heil, damit ich mich in ES schicke, um ES geschickt oder schicklich zu lösen, wodurch das PROBLEM und ich selbst weiter komme.

Das Schicksal ist meine andere (bessere) Hälfte, Seite, die Rück-Seite der Münze Mensch, die ich nicht bewusst erkannt habe (bisher).

Ich bin also auch (und vor allem) mein Schicksal, DAS MIR ZUSTÖSST, das ich mir selber schicke, das, was mir von aussen entgegen kommt oder auch von innen-aussen in Form einer Krankheit z.B.. Das Schicksal meint es IMMER gut mit mir. Es birgt IMMER ein Sal, ein Heil für mich in sich, das ich jedoch aus ihm herauslieben WOLLEN muss, um es zu erkennen.

Nun gibt es eine historische bekannte Persönlichkeit, die beispielhaft für alle (wie Goldmarie auch) das so in einer bestimmten exemplarischen Art erlebt hat:

Da rang ein Mann mit Jakob, bis die Morgenröte anbrach. Und da er sah, dass er Jakob nicht übermochte, rührte er das Gelenk seiner Hüfte an; und das Gelenk der Hüfte Jakobs ward über dem Ringen mit ihm verrenkt. Der Mann sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. (In der Morgenröte wäre er erkannt worden, wer er ist. / Anmerkung der Redaktion) Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich.” (1. Mose, 32: 25f. Der Kampf ging weiter, die Morgenröte kam und Jakob erkannte, wer sein Gegenüber war.)

Jakob kämpfte mit einem Mann, der ein Gott, ein Engel war – “ich habe Gott von Angesicht gesehen, und meine Seele ist genesen, geheilt” – , Jakob kämpfte gegen die Instanz, die das Schicksal zimmert. Jakob kämpfte mit seinem Schicksal und gab sich ihm nicht passiv hin. Er wollte vom Schicksal etwas erhalten, ihm etwas abringen, er wollte die CHANCE, die GÜNSTIGE GELEGENHEIT, die GUNST des Schicksals, die in jedem (eben gott-gegebenen) Schicksal ist, ergreifen, er wollte, dass sein Schicksal damit herausrückt, dass es ihn segne, ihm das EREIGNIS preisgab, das er gewollt hat.

Jakob erhält als Belohnung für seinen Mut einen neuen Namen: ‘Israel’, was heisst ‘der mit Gott=dem Schicksal kämpft/sich-auseinander-setzt/sich-einlässt’.

Die Persönlichkeit Jakob nimmt als wahrhaftiges ICH Beziehung auf – ‘ICH’ ist ja ‘Beziehung zu’ (Vgl. Rubrik ‘Rudolf Steiner anlässlich … 1919’) – zu seinem zuerst als Gegner erlebten Schicksal und kämpft, setzte sich auseinander mit seinem Schicksal solange, bis es ihn segnet.

Dieses Geschehnis kann als Prophetie gesehen werden für unsere Zeit, in der jedermann den Satz “Dessen würdig werden, was uns zustösst; darin das Ereignis wollen und freilegen …” zu seiner Richtschnur des Lebens wählen kann, die auch ihn dazu bringt, in jedem Schicksalsschlag eine Chance zu sehen, eine günstige Gelegenheit für etwas Bestimmtes, ein Glück, um dann nicht eher zufrieden zu sein, als bis er diese Chance eben erkannt hat, um sie umzusetzen im Leben.

SCHICKSAL = GESCHICKTES (vorerst noch nicht erkanntes) HEIL (gilt für jedes Problem mit einem zu erziehenden Kind und einem Lehrerkollegen und einem Ehepartner und …

“Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich zuvor.” darf, soll und mag heute zu jedem Schicksalsschlag, zu jedem Problem gesprochen werden. Nur so kann DIE Lösung aus ihm heraus-gefunden werden, die das Problem allein und tatsächlich und überzeugend zu lösen vermag.